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Das Ahlener Mammut ist zurück im Geomuseum

Die Zeit der Wanderung durch Ausstellungen und Werkstattaufenthalte ist für das Ahlener Mammut endlich zu Ende. Das Aushängeschild des Münsteraner Geomuseums hat jetzt seine endgültige Heimat am Domplatz in Münster gefunden. Durch die Scheibe eines großen Schaufensters wird der älteste und wohl berühmteste Ahlener künftig Passanten begrüßen.

Am Samstag baute Präparator Oliver Kunze aus Stuttgart das weltweit am besten erhaltene Skelett eines Wollhaarmammuts zusammen. „Zu zwei Dritteln besteht es aus originalen Knochen“, ist Museumsdirektor Prof. Harald Strauß erkennbar stolz auf seinen „einzigartigen“ und prominenten Bewohner aus Ahlen. Archäologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) waren es, die vor über einem Jahrhundert die aus einer Ahlener Tongrube am heutigen Mammutpfad geborgenen Knochen in die Provinzialhauptstadt mitnahmen. Seitdem ist es Hingucker und Wahrzeichen des heutigen Geomuseums der Universität Münster, das wegen Umbauarbeiten derzeit geschlossen ist.

Viele Menschen in Ahlen erinnern sich gerne: Im Sommer 2018 präsentierte das Heimatmuseum der Stadt Ahlen die stattlichen Überreste des Mammutbullen, der vor 43.000 Jahren durch das Münsterland wanderte und im Alter von etwa 45 Jahren verendete. Der dynamische Aufbau des Skeletts vermittelt den Eindruck, als streife der 3,25 Meter hohe und 5,50 Meter lange Bulle durch die Gegenwart. Anders als in der Ahlener Ausstellung stehen die Stoßzähne nun enger beieinander. Ihren Abstand verkürzte Kunze von 1,40 Meter auf 70 Zentimeter, was „ein authentischeres Bild gibt“.

Zusammengehalten werden die alten Knochen mit Eisen- und Edelstahlelementen. „Ein Verfahren, das heutiger musealer Standard ist“, so der Präparator. Die Originalknochensubstanz werde dabei weder angebohrt noch auf sonstige Weise beschädigt. Jeder einzelne Knochen wird in ein fast unsichtbares Gerüst aus Metall gehängt. Erstmals trägt das Skelett auch einen Schädelknochen, der dem Alter und der Größe des Mammuts angemessen ist. „Ein Gipsabguss von einem jakutischen Mammut“, so Kunze, thront auf den mächtigen Schulterblättern. Der Originalschädel ist in der Tongrube zerstört worden, sein „Platzhalter“ für über ein Jahrhundert war deutlich zu klein. Läuft der Umbau des Geomuseums nach Plan, können Interessierte das Mammut vielleicht wieder zur Jahreswende besuchen. Bis dahin versteckt es sich hinter einer großen Plane, die den Blick ins Museum verdeckt, aber schon für eine Menge Spannung und Vorfreunde sorgt.

Das Ahlener Mammut ist zurück im Geomuseum. Seinen Aufbau leiteten v.l. Prof. Harald Strauß, Oliver Kunze und Leon Kunze.

Bis es für die Öffentlichkeit zu sehen ist, wird wohl noch ein halbes Jahr vergehen.

Hintergrund:
Das Skelett des „Ahlener Mammuts" wird auf das späte Weichsel-Glazial datiert. Das Fundgelände an der Beckumer Straße entsprach damals einer sumpfigen Niederung, wo das Tier vermutlich in einem Schlammtümpel stecken blieb und verendete. Bemerkenswert an dem Fund ist vor allem, dass es sich um ein einzelnes Individuum mit vollständigem Brustbein handelt. Derartige Funde sind selten, da sich meist nur verlagerte einzelne Knochen und Zähne finden. Anhand der Abnutzung des erhaltenen dritten Backenzahns konnte das Exemplar als erwachsener Bulle bestimmt werden. Der leicht gebaute Schädel wurde im Ton deformiert, so dass schon 1910 nur Bruchstücke vorlagen; daher wurde dieser wie auch andere fehlende Knochen in Gips nachgebildet. Auch die Stoßzähne sind nicht echt, da die Originale wegen zu schneller Trocknung bei der Bergung zerbarsten. Bis heute erfolgten etliche anatomische Korrekturen am Skelett.

2018 war es zu Besuch im Heimatmuseum Ahlen. Mehr als 5.000 Menschen sahen es dort, wo es vor 43.000 Jahren verendete und 1910 entdeckt worden war.

Quelle: Stadt Ahlen | Fotos: Stadt Ahlen

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Ich bin Michael Kayser, in Ahlen geboren und aufgewachsen und lebe seit 49 Jahren in meiner Heimatstadt Ahlen. ‘Ahlen.info’ wird von mir privat betrieben und ist ein werbefreies, nicht kommerzielles Projekt.
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